am 18-12-2011 07:24 PM
Auf der Playstation 3 ist es wohl die
Entdeckung überhaupt gewesen, die Uncharted Reihe. 2007 erschien der
erste Teil „Drakes Schicksal und konnte auch damals schon begeistern.
2009 veröffentlichte Naughty Dog dann den Nachfolger, der zeigte, was
auf der Playstation 3 möglich ist. Grafisch setzte Uncharted 2: Among
Thieves damals neue Maßstäbe und das sollte auch auf längere Zeit so
bleiben. Zu Recht wurde es bei den Spike Video Game Awards 2009 zum
Spiel des Jahres gekürt.
Bereits da war den meisten klar, dass es
auch noch einen dritten Teil der Reihe geben wird, nur wann, das war
die Frage. Manche rechneten mit Uncharted 3 als einen der ersten Titel
für die Playstation 4, andere sahen das Spiel noch auf dieser
Konsolengeneration. So sollte es dann auch kommen, denn Ende des letzten
Jahres wurde der Titel dann für den 1.11.11 in den USA angekündigt.
Erstes richtiges Material
veröffentlichte Sony und der Entwickler Naughty Dog dann auf der E3 in
Los Angeles im Juni. Auf der Messe war das Playstation 3 exklusive
Abenteuer einer der großen Hits und reihte sich nahtlos in eine Reihe
mit Modern Warfare 3 und Battlefield 3 ein.
Der erste Trailer zeigte deutlich, dass
es Drake diesmal nicht in die kalten Höhen des Himalayas verschlägt,
sondern er au seinem Weg durch die Wüste reisen muss. Genaueres gab es
zu dem Zeitpunkt noch nicht.
Am 1.11.11 war es dann soweit und
Uncharted 3: Drakes Deception erschien auch in Deutschland für die
Playstation 3. Ob der dritte Teil seinen Vorgänger noch übertreffen kann
klären wir in unserem Test.
Drakes Vergangenheit – wichtiger denn je!
In Drakes Deception dreht sich alles um
Drakes Vorfahren Sir Francis Drake. Doch zunächst gibt es im Spiel einen
kleinen Rückblick. Man steuert Drake als Kind und erfährt, wie sich
Nathan und sein langjähriger Freund Sully in Kolumbien kennengelernt
haben. Da man fast das ganze Spiel über mit Sully zusammen ist, ist das
durchaus ein gut durchdachtes Element. Wichtiger noch ist, was außerdem
in dem Kapitel, das 20 Jahre vor der Gegenwart spielt, passiert, denn
darauf baut die Geschichte in Uncharted 3 auf. Drake trifft das erste
Mal auf Marlow, die ihn in der Gegenwart das ganze Spiel über begleitet
bzw. verfolgt. Außerdem wird das erste Mal ein Artefakt gezeigt, das als
Schlüssel für sämtliche Rätsel dient, die man später lösen muss. Marlow
ist das Oberhaupt eines Ordens, der bereits viele Jahrhunderte
existiert und ebenfalls auf der Suche nach dem Vermächtnis von Sir
Francis Drake ist.
Sir Francis Drake hat im Auftrag der
Königin von England die verlorene Stadt gesucht, besser bekannt unter
dem „Atlantis der Wüste“ in der Wüste Rub al-Khali. Drake erhält auf
seiner Suche Hinweise und Hilfe durch die Aufzeichnungen von Lawrence
von Arabien, der seinerzeit ebenfalls versuchte, die Reise von Sir
Francis Drake nachzuvollziehen und „Atlantis der Wüste“ zu finden.
Alles beginnt in London, natürlich verregnet. Im Hinterzimmer einer eher
unseriösen Kneipe versuchen Sully und Drake einen Deal durchzuziehen.
Es geht um den Ring, den Drake als Kette um den Hals trägt. Wer hätte es
gedacht, der Deal geht schief und Drake muss sich durch die englische
Kneipe prügeln.
Das geht so weit gut, bis in den Gassen die Waffen gezückt werden und
Drake und Sully überwältigt sind. Dann ist es soweit und Marlow fährt
vor, nimmt Drake den Ring ab und ein Handlanger erschießt Sully und
Drake. Ok, dass der Handlanger eigentlich zu Drake gehört war zunächst
nicht klar, als Sully und Drake dann aber sehr lebendig aufstehen, war
die Situation schnell eindeutig. Mehr noch, der Ring der Marlow
abgenommen hat, war nur eine Fälschung, das Original ist weiterhin in
Drakes Besitz. Danach beginnt die Reise durch verschiedene Regionen der
Welt, um herauszufinden, was Sir Francis Drake im Auftrag der Köningin
Englands versteckte.
Gameplay – ein einziger Genuss
Betrachtet man die Geschichte der Serie
rückblickend, fällt schnell auf, dass die Gameplayelemente schon immer
auf einem sehr hohen Niveau waren und viele fragten sich schnell, womit
Teil Drei das noch übertreffen will. Die gute Nachricht vorweg: Naughty
Dog hat es geschafft, dass sich Drakes Decetion noch besser und schöner
spielt, als Among Thieves.
Der Entwickler hat das Nahkampfsystem
etwas überarbeitet und nun ist es für Drake möglich, auch mit
Gegenständen und anderen Umgebungsdetails zu interagieren. Damit wirken
die Schlägereien noch realistischer und machen mehr Spaß, auch wenn es
nicht sonderlich anspruchsvoll ist. Meistens besteht ein Nahkampf nur
aus dem Drücken der Viereck-, Dreieck und Kreistaste. Ein wenig Timing
vorausgesetzt, ist der Gegenüber schnell besiegt, wenn man Glück hat,
fängt Drake dann noch dessen Waffe auf und ist sofort wieder
einsatzbereit. Problematisch wird es nur, wenn während des Kampfes noch
Kugeln an einem vorbeifliegen und leichte Hektik aufkommt. Schnell
drückt man mal die falsche Taste, gerät unter Druck und kann nur noch
mit Mühe entkommen.
Abwechslung wir beim Gameplay von Drakes
Deception groß geschrieben, ganz groß. Sowohl was die Orte angeht, aber
auch die Missionstypen bestehen aus verschiedenen Passagen. Wie die
Fans es sich gewünscht haben, gibt es nun mehr Rätsel und
Kletterelemente im Spiel und die Schusswechsel wurden etwas
zurückgefahren. Oft kommt es auch auf die sogenannten
Stealth-Fähigkeiten des Spielers an, damit man einer bleihaltigen
Auseinandersetzung aus dem Weg geht. Die Rätsel an sich sind interessant
zu lösen und lassen sich daher auch gut spielen.
Traditionell hat Drake für jede Lösung
etwas in seinem Notizbuch stehen und durch logische Schlüsse kommt ihr
Recht schnell zum Ziel. Falls ihr bei dem einen oder anderen Rätsel
nicht weiterkommt ist das kein Problem, denn Sully begleitet euch stets
und gibt euch entscheidende Hinweise. Reicht auch das nicht, könnt ihr
auf zahlreiche Komplettlösungen und Videoguides zurückgreifen, die im
Internet kursieren. Doch wir konnten in unserer Testphase auf äußere
Hilfsmittel verzichten und Rätsel, teilweise auch mit Sullys Hilfe
lösen.
Damit sind wir direkt auf die zweite
Veränderung gestoßen, denn in den meisten Passagen werdet ihr von Sully
unterstützt. Leider ist es trotzdem nicht möglich, die Kampagne auch im
Koop-Modus zu spielen, obwohl es sich angeboten hätte. Abhilfe schafft
da der separate kooperative Multiplayermodus, auf den wir später noch
genauer eingehen werden.
Besonders in den Schusswechseln ist auf Sully Verlass, denn er trifft in
den meisten Fällen genau und hilft somit, die Gegner auszuschalten.
Schießereien funktionieren eigentlich genau, wie auch schon in Uncharted
2. Deckung suchen und auf den richtigen Moment warten. Das ist vor
allem in den höheren Schwierigkeitsgraden von Bedeutung, da man dort
nach relativ wenig eingefangenen Kugeln schon den beliebten Schriftzug
„Du bist erledigt“ auf dem Bildschirm zu sehen bekommt. Deckung sucht
man traditionell mit dem Kreistaste, Zielen mit L1 und abgefeuert wird
erneut mit R1. Die KI ist jedoch in Uncharted 3 tatsächlich mit
Intelligenz ausgestattet und versucht euch von rechts und links zu
flankieren. Außerdem fliegen regelmäßig Granaten in eure Deckung, die
ihr neuerdings auch zurückwerfen dürft. Aus der Deckung einfach alle
Gegner nach der Reihe auszuschalten funktioniert auch hier nicht.
Wie bereits angesprochen muss Nathan
mehr und höher klettern oder sich über Abgründe begeben. Teilweise kommt
es sogar zu Schusswechseln, während man gerade versucht eine Wand oder
ein Schiffswrack zu erkennen. Dann wird die Schießerei im wahrsten Sinne
des Wortes zur „Hängepartie“. Das gesamte System fühlt sich flüssiger
an, als in Uncharted 2 und daher machen die zahlreichen Klettereinheiten
noch mehr Spaß. Häuserfassaden, Schlössen oder Höhlenwände dienen als
Kletterwand, aber auch ein rostiger Schiffsfriedhof muss bewältigt
werden, mit dem dezenten Hinweise von Nat, dass er danach wohl einen
Tetanusimpfung nötig hätte. Hängt man dann mal gemütlich an einer
Hauswand, kommt es nicht selten vor, dass sich ein Ausblick bietet, der
über jeden Zweifel erhaben ist. Beispielsweise erblickt man ein
nächtliches Syrien, das zeigt, wie viel Liebe zum Detail Naughty Dog in
die Produktion von Uncharted 3 gesetzt hat.
Ebenfalls neu sind die dynamischen
Regionen, wie etwa der Teil auf einem mehr oder weniger
heruntergekommenen Schiff, bei dem das Schiff immer und immer wieder
wankt und man von einer Ecke in die andere geschoben wird. Wenn das
Schiff dann kurz vor dem Kentern ist, muss man sich überlegen, wo denn
nun oben und wo unten ist. Außerdem rollen durch den sich bewegenden
Untergrund regelmäßig verschiedene Objekte an einem vorbei, die man
Oben und Unten ist ein Teil, auf den Drake im gesamten Spiel immer
wieder stößt, doch dazu an dieser Stelle kein Spoiler.
Grafik und Präsentation – Referenz auf der Playstation 3
Grafisch und in Sachen Präsentation
setzt Uncharted 3: Drakes Deception neue Maßstäbe. Wer jetzt glaubt,
dass man keine Steigerung von Teil 2 erkennen kann, der irrt. Denn
Naughty Dog hat es geschafft die Grafik, besonders die Beleuchtung und
die Lichteffekte, noch verbessert. Die Details, die in den Gesichtern zu
erkennen sind, wie Falten, Narben oder Bartstoppeln sind so klar, wie
noch nie.
Die Mimik und Gestik kann man im Gesicht
ablesen und erkennt sofort, was Marlow, Drake oder Sully vorhaben oder
beschäftigt. In jeder Situation gibt es etwas zu entdecken und man hat
nie das Gefühl etwas schon einmal gesehen zu haben. Auch die Wüste zeigt
grandiose Effekten, wie etwa der Sand, der vom Wind getragen wird und
damit eine Atmosphäre schafft, die in vielen Bereichen Ihresgleichen
sucht. Auch die Endlosigkeit der Wüste wir durch die Präsentation und
die optische Brillanz aus dem Spiel direkt in das Wohnzimmer gebracht.
Ebenfalls zu den optisches Highlights
gehören die Feuereffekte, die bereits in Gameplayvideos vor Release
gesehen wurden. Doch das Erlebnis, das durch das Spiel entsteht, konnte
keiner der Trailer liefern. Wenn man aus dem brennenden Haus entkommen
muss und die Flammen überall wüten, Balken unter dem Feuer
zusammenbrechen und Funken sprühen, da kommt kein Trailer der Welt ran.
Auch unter anderen Spielen entsteht einen derart gute Präsentation
selten.
Uncharted 3 präsentiert sich als
grafische und atmosphärische Einheit in allen Bereichen. Das Spiel wirkt
wie aus einem Guss und man kann an jeder Ecke etwas entdecken, wo man
denkt „ohh das habe ich noch nicht gesehen“. Oder man denkt einfach gar
nichts, weil man den Mund vor Stauen nicht zu bekommt.
Der Multiplayer – Braucht Uncharted 3 sowas?
Auch die Uncharted Reihe hat seit Among
Thieves wie auch die meisten aktuellen Spiele einen Multiplayer. Immer
wieder stellt sich hier die Frage, ob ein Action-Adventure, bei dem der
Fokus offensichtlich auf dem Einzelspieler liegt, einen Mehrspielerteil
braucht. Diese Frage kann man pauschal natürlich nicht beantworten und
jeder muss die Entscheidung selber treffen. Den Multiplayer bewerten
können wir jedoch schon und genau das machen wir jetzt auch.
Der Mehrspieler besteht sowohl aus einem
kompetitiven, als auch aus einem kooperativen Teil. Im Koop-Modus ist
leider nicht die Kampagne aus dem Einzelspieler spielbar, auch wenn sich
das angeboten hätte. Vielmehr erzählt der kooperative Modus einen
parallele Geschichte mit denselben Charakteren. Man steuert ebenfalls
Drake, Sully oder Charlie und besucht Orte, die man auch schon aus der
Kampagne kennt. Ebenfalls gut gemacht ist eine Mission, in der man auf
die Gegner der letzten Uncharted Spielen. Beispielsweise sind Flynn und
Lazarevic dabei und man muss sie zusammen mit den Mitspielern
ausschalten. Falls ich euch nicht genau vorstellen könnt, was der
Koop-Modus bietet, können wir an dieser Stelle unser Koop Gameplay auf
unserem Youtubechannel empfehlen.
Der kompetitive Mehrspieler funktioniert
genauso, wie auch in Uncharted 2. In verschiedenen Modi, wie etwa Team
Deathmatch, kann man sich mit anderen Spielern messen. Inwiefern das
Spaß macht bleibt fraglich, denn die Onlinegefechte sind weder so
packend inszeniert und spannend, wie der Singleplayer, noch können die
Schießereien mit den Mehrspielern anderer Shooter mithalten. Der
Mehrspieler von Uncharted 3 ist mehr oder weniger ein Kompromiss, der
einen entweder gefällt oder auch nicht.
Uncharted 3: Drakes Decetion – Das Spiel des Jahres
Bei den Spike Video Game Awards in
diesem Jahr musste sich Uncharted 3: Drakes Deception hinter The Elder
Scrolls V: Skyrim einordnen und verpasste den Titel „Game of the Year“.
Dafür gab es die Preise für das „Beste PS3-Spiel“ und die „Beste
Grafik“. Vorgänger Among Thieves wurde 2009 Spiel des Jahres, doch
damals gab es weniger Konkurrenz als 2011.
In keinen Fall ist Drakes Deception
schlechter als Teil 2, im Gegenteil Uncharted 3 mach die wenigen Dinge,
die man in Among Thieves zu bemängeln hatte besser. Sogar unmöglich
geglaubte Dinge, wie eine schönere und detailreichere Grafik bietet
Naughty Dog. Viele, die dachte man kann auf die Optik von Among Thieves
keinen mehr draufsetzen hat der Entwickler eines besseren belehrt.
Die Handlung und die Geschichte ist
natürlich wie immer Geschmackssache, doch die Rückblende in die Kindheit
Drakes und die Verknüpfung mit seinen Vorfahren liefern eine noch
glaubwürdigere und interessantere Geschichte, als es der Vorgänger
konnte. Doch Inszenierung ist grandios gelungen und Szenen, auch welche,
die man bereits aus Trailern kennt, fesseln uns als Spieler vor den
Bildschirm.
Was Naughty Dog mit Uncharted 3: Drakes
Deception geschaffen hat ist einfach grandios und sucht seinesgleichen.
Grafik, Optik, Handlung, Gameplay und alles was dazu gehört stimmt. Der
Vorgänger wird übertrumpft und das muss angesichts der absolut hohen
Klasse von Among Thieves etwas heißen. Nun bleibt die Frage, wie Naughty
Dog das beim nächsten Mal noch toppen will. Doch diese Frage stellte
man sich auch schon am Ende von Teil 2. Das Ergebnis ist auch durch den
obigen Test bekannt.
Wann ein vierter Teil der Uncharted
Reihe erscheinen soll steht bisher nocht nicht fest, ebenfalls unklar
ist, ob man den Titel noch auf der Playstation 3 erwarten kann. Eines
ist jedoch sicher, die Geschichten und Rätsel um Drake sind noch lange
nicht zu Ende erzählt und bieten einige weitere Möglichkeiten. Man darf
sich erstmal auf „The Last of Us“ freuen, den nächsten großen
PS3-exklusiven Titel Naughty Dogs. Solange dieser Entwickler der
Playstation 3 exklusiv erhalten bleibt, darf man sich in gewissen
Abständen auf zahlreiche Blockbuster freuen, die zeigen, wie ein Spiel
auf der Konsole auszusehen hat.
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